
Bozen wird immer Heisser – und das ist keine Einbildung
Allein im Jahr 2022 forderte die Hitzewelle in Italien über 18.000 Todesopfer. Die Klimakrise ist mittlerweile eine greifbare Realität, wie die Berichte des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) bestätigen: Die Temperaturen steigen unmissverständlich an, mit gravierenden Auswirkungen– die je nach geografischem Kontext variieren. In der Provinz Bozen ist das Phänomen besonders ausgeprägt: In den letzten vierzig Jahren ist die durchschnittliche Temperatur um +2,2 °C gestiegen, während die Stadtgebiete von Bozen und Brixen seit den 1960er-Jahren einen Anstieg der Sommertemperaturen um +3 °C verzeichnet haben. Diese sogenannten städtische Hitzeinseln sind dicht bebautes Stadtgebiet, das sich aufgrund von versiegelten Beton- und Asphaltflächen, fehlendem Grün und künstlicher Abwärme deutlich stärker aufheizt und nachts langsamer abkühlt als das unbebaute ländliche Umland.
Vor diesem Hintergrund müssen wir gemeinsam gerechte Lösungen finden, um uns an die städtischen Hitze anzupassen. Dabei gilt es, das Thema stärker in den Fokus zu rücken, um auch die lokale Politik dazu zu bewegen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, die über die Verantwortung des Einzelnen hinausgehen. Es braucht konkrete Lösungen der Stadtplanung, um das Problem einzudämmen und zu mindern, sowie eine Steigerung des Bewusstseins und eine stärkere Kommunikation mit der gesamten Bevölkerung.
Das Projekt Hitzeinseln wird von den Studierenden des Masters Eco-Social Design der Freien Universität Bozen in Zusammenarbeit mit CAST entwickelt. Es zielt darauf ab, die lokale Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und die heißesten städtischen Gebiete der Stadt sichtbar zu machen, um gemeinsam Anpassungslösungen zu finden und die Stadtpolitik auf gezielte Maßnahmen auszurichten. Hierzu werden Sonnensegel zum Schutz entwickelt, die an den heißesten Orten, wo sich Menschen länger aufhalten müssen angebracht werden.
Deine Erfahrung ist wertvoll, um zu verstehen, wie die Stadthitze in der Stadt erlebt wird. Nimm an unserer Umfrage teil!
Warum wird Bozen wärmer als andere Städte?
Bozen liegt in einem Talkessel, der von allen Seiten von Bergen umgeben ist und wo die Etsch-, Eisack- und Sarntal aufeinandertreffen. Diese Lage in Verbindung mit einem bereits milden, mediterran geprägten Klima führt dazu, dass sich die Wärme staut und länger als in den umliegenden Gebieten eingeschlossen bleibt. Zwei typisch städtische Faktoren verschärfen die Situation zusätzlich:
- Der versiegelte Boden
Beton und Asphalt verhindern das Versickern des Regenwassers und schränken die Verdunstung ein, die eigentlich ein natürlicher Kühlmechanismus wäre
- Der Albedo-Effekt
Dunkle Oberflächen (Asphalt, Bitumendächer, der typische lokale rote Porphyr) absorbieren die Wärme, anstatt sie zu reflektieren, während helle Oberflächen sie zurückwerfen
Das Ergebnis sind Hitzeinseln: Stadtviertel wie die Altstadt und das Industriegebiet, in denen die Temperatur messbar höher ist als in den umliegenden landwirtschaftlichen Gebieten.
Wer am meisten gefährdet ist
Nicht alle erleben die Hitze auf dieselbe Weise. In Bozen gehört fast ein Drittel der Bevölkerung einer besonders hitzeanfälligen Gruppe an: die Über-65-Jährigen (fast ein Viertel der Einwohner) und Kinder unter 11 Jahren (10 %). Laut WHO ist Hitze heute die häufigste klimabedingte Todesursache und kann Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Diabetes verschlimmern.
Was in öffentlichen Räumen getan werden kann
Es gibt konkrete Strategien, die anderswo bereits erprobt wurden, um Städte kühler zu machen, zum Beispiel:
Asphalt entfernen, wo möglich, damit der Boden wieder atmen kann
Verwendung heller, wasserdurchlässiger Materialien anstelle dunkler, undurchlässiger Oberflächen
Mehr Bäume und Stadtgrün, die vor allem durch Schatten kühlen
Wasser in der Stadt: Brunnen, Wasserflächen und Vernebelungssysteme
Sorgfältige Planung der Belüftung, um die natürlichen Luftkorridore nicht zu blockieren
Der institutionelle Rahmen: Klimaplan Südtirol 2040
Der Klimaplan 2040 verfolgt das Ziel, Südtirol sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig für zukünftige Generationen zu gestalten, mit dem Anspruch, bis 2040 Netto-Klimaneutralität zu erreichen. Als wohlhabende Region mit günstigen Voraussetzungen trägt Südtirol die Verantwortung, über die europäischen Mindestklimaanforderungen hinauszugehen und rasch sowie entschlossen zu handeln, um das Ziel von +1,5 °C einzuhalten.
Neben der Reduzierung der Emissionen erkennt der Plan die Dringlichkeit von Anpassungsmaßnahmen an, um den mittlerweile unvermeidlichen Klimaauswirkungen zu begegnen. Hier setzt der Aktionsbereich 5.14 an, der sich der Klimaresilienz von Städten und Siedlungen widmet, mit einem Schwerpunkt auf öffentlichem Raum, Bodennutzung und städtischen Systemen.
Was du in der Zwischenzeit tun kannst …
Bis strukturelle Maßnahmen umgesetzt werden, helfen einige alltägliche Vorkehrungen, sich vor der Hitze zu schützen: körperliche Aktivität in den heißesten Stunden vermeiden, die Wohnung frühmorgens oder abends lüften, Fenster und Verdunkelungen tagsüber geschlossen halten und (stromsparende) Ventilatoren den Klimaanlagen vorziehen.
Vertiefungsmaterial
Entdecke weitere Details in der Informationsbroschüre.
