Wie viel Digitalisierung ist Genug?
Wo einst Felder und Wiesen das oberösterreichische Nirgendwo prägten, stehen heute Baucontainer, Kräne und Bagger auf einer 50 Hektar großen Baustellenwüste. Der US-Techkonzern Google baut hier sein erstes Hyperscale-Rechenzentrum in Österreich, einen gigantischen Komplex, der zu den größten Europas zählen soll und nun noch größer werden soll als anfangs geplant (LINK).
Big-Tech-Unternehmen bauen weltweit massiv neue Rechenzentren, um Cloud-Diensten und fragwürdige KI-Anwendungen weiter auszubauen
Die Digitalisierung eröffnet viele neue Möglichkeiten und ist in vielen Bereichen sehr wichtig geworden – doch ihr Ressourcenverbrauch wächst rasant. Rechenzentren beanspruchen vor Ort riesige Mengen an Strom, Wasser und Fläche, schaffen vergleichsweise wenige dauerhafte Arbeitsplätze und werfen Fragen nach Transparenz und lokaler Wertschöpfung auf. Der Großteil der Gewinne fließt an die Betreiber und deren Eigentümer außerhalb der Standorte. Dass es weltweit immer mehr werden führt zunehmend zu ökologischen und sozialen Herausforderungen. Besonders problematisch an dieser Entwicklung: oft entstehen die Zentren in Regionen, in denen das Wasser ohnehin knapp ist wie zum Beispiel in Mexiko oder auch in der Lombardei. Studien zeigen, dass die digitale Wirtschaft – zu der auch Rechenzentren zählen – strukturelle Ungleichheiten, insbesondere zwischen Ländern des globalen Nordens und jenen des Südens, verstärken.
KURZ & KNAPP: Was (ver)braucht ein Rechenzentrum pro Jahr?
(Beispiel: Hyperscale Rechenzentrum Kronsdorf, Österreich)
- Strom: ca. 1,3 – 4,4 TWh
- versiegelter Boden: 42 Hektar
- Wasser: bis 1,8 Milliarden Liter
Ein aktueller UN-Bericht (LINK) zeigt: Bis 2030 könnte ihr weltweiter Energiebedarf auf rund 945 Terawattstunden steigen – mehr als doppelt so viel wie 2025. Dazu zwei Vergleiche: das wäre höher als der aktuelle Stromverbrauch von Japan – der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt. Ein großes Rechenzentrum für KI oder Cloud, kann so viel Strom benötigen wie eine mittelgroße Stadt mit einer Anschlussleistung von 100 Megawatt oder sogar mehr.

Aktuell gibt es über 12.000 Rechenzentren weltweit. Die Zahl steigt und bis 2030 wird sich der Energiebedarf voraussichtlich verdoppeln.
Was sind die Folgen für Klimagerechtigkeit?
- Verstärkung der Ungleichheit durch ungleiche Verteilung der Umweltlasten: Rechenzentren belasten oft benachteiligte Regionen, während die Gewinne bei Tech-Konzernen in reichen Ländern anfallen – die meisten Rechenzentren gibt es in den USA, Europa und Asien. Hoher Energie- und Wasserverbrauch sowie Lärm und Umweltverschmutzung verschärfen lokale und globale Ungleichheiten
- Energieungerechtigkeit: Enorme Strommengen, die gebraucht werden kommen aus Gas- und Kohlekraftwerken, die Betreiber erhalten subventionierten Strom oder bauen eigene (Wasser-)kraftwerke, die nicht nur indigene Bevölkerung vertreiben, sondern auch das lokale Stromnetz überlasten können
- Wasserungerechtigkeit: Wasser ist billig, daher werden mehrere Millionen Liter Wasser für die Kühlung verwendet und mit Chemikalien versetzt, obwohl es auch Alternativen gibt.
- Fehlende Tranparenz: mit dem Bau von autarken Rechenzentren (off-grid) entziehen sich viele Tech-Firmen einer öffentlichen Kontrolle, was zu weniger Überwachung und mehr Umweltverschmutzung führt
- Ungerechte Landnutzung und Vertreibung: Oft werden sie auf landwirtschaftlich genutzte Böden oder in der Nähe von Wohngebieten errichtet, die aufgrund der elektromagnetischen Strahlung und des Lärms nicht mehr bewohnbar sind – das führt zur Zerstörung von Ökosystemen und sogar Vertreibung
- Klimakolonialismus und Klimamigration: Tech-Konzerne nutzen Länder mit schwachen Umweltgesetzen, billigen Strompreisen und billigen Arbeitskräften (Bsp. Mexiko, Brasilien etc.) und die Menschen müssen aufgrund der Umweltzerstörung ihre Heimat verlassen
- Ausbeutung: Reparatur- und Entsorgungsarbeiten werden in Länder mit schwachen Arbeitsrechten ausgelagert, wo Arbeiter*innen unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen arbeiten und wenig verdienen

Protest in Kronstdorf, Österreich, Juli 2026.
Eine positive Nachricht für mehr Gerechtigkeit: In zahlreichen Ländern wehren sich die Bürger*innen gegen den Bau von Rechenzentren. Es geht hier vor allem um eine gerechtere Verteilung der Umweltauswirkungen. So hat ein chilenisches Gericht das geplante Mega-Rechenzentrum von Google in Cerrillos wegen Bürgerprotesten und kritischer Wasserknappheit in Santiago gestoppt. Der Tech-Konzern musste zudem auf Luftkühlung umstellen (LINK).
Im benachbarten Österreich, genauer in Kronstdorf, protestieren die Menschen gegen ein Rechenzentrum von Google (LINK). In einer Peition wird mehr Regulierung und der Schutz der Natur gefordert. Hier gehts zur Petition
In Belgien hat ein einzelner Bürger erfolgreich dagegen geklagt, das Wasser aus einem Fluss zu verwenden (LINK).
Die Lombardei führte im Mai 2026 zwar strengere Regeln für Rechenzentren ein. Ein Beispiel sind höhere Baubeiträge auf Ackerland. Kritiker und Bürgerinitiativen halten die Maßnahmen jedoch für zu lasch und fordern eine verbindliche, landesweite Planung, die Natur und Gesundheit vor digitalem Wachstum schützt (LINK).
Der Widerstand wächst, denn immer mehr Menschen begreifen: In einer Welt, die von der Klimakrise gezeichnet ist, braucht es keinen weiteren Boom der digitalen Infrastruktur, sondern Nahrung, Wasser und intakte Ökosysteme! Unsere Ressourcen gehören nicht den Tech-Konzernen!
Quellen:
https://www.derstandard.de/story/3000000331976/google-go-home-proteste-gegen-rechenzentrum-bei-linz
https://www.datacentermap.com/datacenters/
https://www.dw.com/de/erfolgreicher-kampf-gegen-neue-datencenter-in-chile/video-71403375
https://www.youtube.com/watch?v=YYxOtRy5jTw&t=1s
https://www.wienerzeitung.at/a/kronstorf-anrainer-innen-kritisieren-googles-bauplaene
Bildquellen:
https://ilmanifesto.it/la-lombardia-punta-sui-data-center-laffare-che-divora-risorse-e-territori, https://www.datacentermap.com/datacenters/ , https://www.derstandard.de/story/3000000331976/google-go-home-proteste-gegen-rechenzentrum-bei-linz ,

