Zwischen Verboten und Ausgrenzung: Haltung bewahren in turbulenten Zeiten

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob

Der Protest gegen die neue Stadtpolizeiordnung – Warum wir handeln

Seit März 2025 gilt in Bozen eine neue Stadtpolizeiordnung, die es verbietet, sich auf den Boden zu setzen oder auf Bänken hinzulegen. Für Bozen Fiorisce ist diese Vorschrift mehr als Bürokratie: Sie greift das Herz der Gemeinschaft an. Unsere Plätze müssen einen lebendigen, inklusiven und solidarischen öffentlichen Raum, in dem alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können, unabhängig von Alter, sozialem Status oder Herkunft sein.

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Wir handeln, weil öffentlicher Raum kein Luxus, sondern ein Gemeingut ist. Die neuen Regeln treffen besonders jene Menschen, die ohnehin wenig Platz und Sichtbarkeit haben: Jugendliche, armutsbetroffene Menschen, Obdachlose. Sie gefährden demokratische Teilhabe, Meinungsfreiheit und ein respektvolles Zusammenleben in unserer Stadt.

Unser Protest ist klar: Wir setzen uns hin, wir legen uns hin und wir bleiben da. Wir wollen eine Stadt für alle – lebendig, solidarisch und inklusiv. Dabei richten wir uns nicht gegen Ordnung um ihrer selbst willen, sondern gegen eine Politik der Ausgrenzung, die soziale Probleme unsichtbar machen will, statt sie zu lösen

Die Stadtpolizeiverordnung deckt viele Bereiche ab: von Lärm und Verkehr über Tiere bis hin zu Weihnachtsbeleuchtung. Den ganzen Text könnt ihr hier einsehen.

Die Stadtpolizeiordnung der Stadt Bozen wurde 2002 beschlossen und wurde über die Jahre mehrfach geändert und ergänzt, da sich Gesetze auf Staats- und Landesebene verändert haben. Im Provinzialkomitee für öffentliche Ordnung und Sicherheit wurden zusätzlich „spezifischer städtischer Sicherheitsbedürfnisse“ angesprochen, die in der Ergänzung der zwei neuen Artikel münden.

In diesem Kontext ist für uns ist der Artikel 3 am wichtigsten.

Seit 2021 sind unter anderem folgende folgende Änderungen hinzugekommen: Artikel 3, Abschnitt 7, Abschnitt 8, Abschnitt 9, Abschnitt 10 und Abschnitt 11.

Art. 3 Schutz des Stadtbildes und des öffentlichen und privaten Gutes

Im Sinne der Wahrung eines gepflegten Stadtbildes ist es untersagt, öffentliche oder private Gebäude, Bodenflächen, Stadtmobiliar, öffentliche Geräte und Anlagen und Infrastrukturen, Installationen im öffentlichen Raum, öffentliche Verkehrs- und Transportmittel, Schaufenster und Rollläden von Geschäften und anderen Objekten, die diesen zugehören, zu verunstalten, beschädigen oder beschmieren, wobei es unerheblich ist, in welcher Form dies erfolgt und welche Mittel dafür verwendet werden. In gleichem Maße ist es untersagt, die genannten Objekte ohne entsprechende Genehmigung bzw. außerhalb der erlaubten Flächen zu beschriften oder zu bemalen.

Es ist untersagt, in öffentlichen Brunnen zu baden oder Sachen darin zu waschen oder sie als Tränke für Tiere direkt aus der Düse zu nutzen.

Es ist untersagt, auf Bäume, öffentliche Straßenlaternen, Denkmäler, Gitter, Haltestellenüberdachungen, Tore und Umgrenzungsmauern zu klettern.

Es ist untersagt, ohne Genehmigung der Stadtverwaltung Transparente sowie Dekorations- oder Werbestoffe im Straßenraum anzubringen. Die Bestimmungen in Art. 6 bleiben hiervon unberührt.

Bei der Montage von Aufbauten ist es untersagt, Bäume, Stützpfeiler, Leitungen und öffentliche Beleuchtungsstrukturen als stützende Elemente zu nutzen.

Es ist untersagt, an den Säulen von Laubengängen und an den Fassaden von öffentlichen Gebäuden, Palastbauten und Denkmälern ohne Erlaubnis Haken, Anschlüsse und Halterungen anzubringen.

Es ist untersagt, Sitzgelegenheiten, Parkbänke, Trinkwasserbrunnen, Spielgeräte, Abgrenzungselemente, öffentliche Beleuchtungsanlagen, Straßenschilder, Schilder mit Angaben von öffentlichem Interesse, Poller, Parkbügel und anderes Stadtmobiliar oder Gegenstände, die für öffentliche Dienste oder für die Allgemeinheit zweckbestimmt sind, zu entfernen, zu verschieben, zu beschädigen, zu beschmieren oder unsachgemäß zu verwenden.

Es ist untersagt, an Fahrzeugen, die auf öffentlichen Flächen abgestellt sind, Flugblätter o.Ä. anzubringen oder darauf abzuwerfen. Aus Gründen der Sicherheit, der öffentlichen Hygiene und zwecks Wahrung eines gepflegten Stadtbildes kann die Gemeindeverwaltung bei Veranstaltungen von besonderem Interesse oder von strategischer Bedeutung für die Stadt oder von großer touristischer Wirkung die Verteilung von Flugblättern untersagen. Die SEAB AG ist von dem Verbot der Verteilung von Flugblättern ausgenommen. Sie kann Flugblätter verteilen, um die Bevölkerung auf die Durchführung von besonderen Diensten oder Eingriffen hinzuweisen.

Es ist untersagt, sich auf Parkbänken hinzulegen, wenn dadurch das gepflegte Stadtbild gestört wird. Es ist weiters untersagt, sich auf der Straße, auf Plätzen, Gehsteigen oder unter den Lauben auf den Boden zu setzen oder hinzulegen, wenn dies zu offensichtlichen Behinderungen führt oder das gepflegte Stadtbild gestört wird.

Es ist untersagt, sich Fahrzeugen auf der Straße oder Fußgängern zu nähern, um Waren zu verkaufen oder Dienste anzubieten, wie z.B. das Reinigen der Scheiben oder anderer Teile des Fahrzeuges oder aus anderen Gründen. Die Bestimmungen über den Wanderhandel sind von diesem Verbot ausgenommen. Nach der Feststellung des Verstoßes gegen diese Bestimmung wird gemäß Gesetz 689/81 eine zusätzliche Verwaltungsstrafe mit Beschlagnahme der angebotenen Waren und eventueller Hilfsmittel für den Verkauf der Waren verhängt.

Es ist untersagt, auf öffentlichen Straßen und Plätzen Unterschriften oder Geld zu sammeln. Die Sammlung von Unterschriften oder Geld ist nur an Sammelständen mit oder ohne Überdachung erlaubt. Das Aufstellen des Standes muss vorab und gemäß den Bestimmungen in den Ordnungen über die Besetzung öffentlichen Grundes ermächtigt werden.

Zudem wurden die Stadtbereiche, die „von besonderer Bedeutung“ sind und für die Platzverweise ausgesprochen werden können, erweitert. Sie umfassen nun neben:

  • Waltherplatz
  • Pfarrplatz
  • Grieser Platz
  • Anne-Frank-Platz
  • Ortlerstraße
  • Mazziniplatz
  • Bahnhofsplatz
  • Bahnhofsallee
  • Bahnhofspark
  • Alcide-Berloffa-Park
  • Freiheitsstraße
  • Rittner Straße
  • Garibaldistraße
  • Südtiroler Straße
  • Perathonerstraße
  • Verdiplatz
  • Kapuzinergasse
  • Kapuzinerpark
  • Kapuzinerpark
  • Siegesplatz
  • Park am Siegesdenkmal
  • Nazim-Hikmet-Passage
  • Anita-Pichler-Platz
  • Nicolò-Rasmo-Straße

auch zusätzlich die Orte:

  • Obstplatz
  • Trienterstraße
  • Mignonepark
  • IV.-November-Platz
  • Garten der Religionen

für die in Art. 3 der Gemeindeordnung über den Handel auf öffentlichen Flächen angeführten Flächen

  • für Kindergärten, Schulen, Schulkomplexe (in einem Umkreis von 100 Metern ab der Türschwelle) und deren Zubehörflächen;
  • für Krankenhäuser, Pflegeheime und Seniorenwohnheime (in einem Umkreis von 100 Metern ab der Türschwelle), inklusive Zubehörflächen und Parkplätze

Warum die Neue Stadtpolizeiordnung?

Mit der Begründung das Regelwerk für die Bürger*innen transparenter und für die Verwaltung klarer handhabbar zu machen, wollte der Gemeinderat, alle bisherigen Änderungen in einem neuen, einheitlichen Text zusammenzuführen.

Was bisher geschah

18. März 2025

Änderungen An Stadtpolizeiverordnung

Abstimmungsverhalten 18.03.2025 Sitzung des Gemeinderates
Der Gemeinderat beschließt mit großer Mehrheit die Änderungen an der Stadtpolizeiverordnung samt der kontroversen Änderungen. Mehr Infos

18. März 2025

Cologna und Brancalione (TK) stellen Änderungsantrag

Der Änderungsantrag von Cologna Brancalione

Noch am selben Tag stellen Matthias Cologna und Thomas Brancalione vom Team K einen Ädnerungsantrag. Sie fordern die Abänderung bzw. Streichung der Abschnitte 7 und 11 des Artikel 3 und eine Änderung des Abschnitts 3 des Artikels 4, der sich mit dem Abstellen von Fahrrädern beschäftigt.

Den ganzen Gesetzestext könnt ihr hier einsehen.

27. März 2025

Verbot angeblich nur ein Versehen?

Abstimmungsverhalten 18.03.2025 Sitzung des Gemeinderates

Laut damaligen Bürgermeister Caramaschi wurde das Verbot des Sitzens und Liegens bei der Abstimmung versehentlich übersehen.

Mehr Infos Bildquelle: Rai Tagesschau

05. April 2025

Via dante Collective – More than a Bench

Via Dante Collective Event

Via Dante Collective veranstaltet eine Kunstaktion zu dem Verbot und den Vorteilen von öffentlichen Bänken. Mehr Infos

28. April 2025

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben.

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob

Studierende des Eco-Social Design Masters der Uni Bozen initiieren gemeinsam mit Bozen Fiorisce den ersten Flashmob gegen das Hinsetz-Verbot.

Mehr Infos

28. April 2025

Bozen Discute

Bozen Fiorisce veranstaltet eine Podiumsdiskussion mit den Kandidat*innen der Bürgermeister*innenwahl.

Mehr Infos

04. Mai 2025

Gemeinderatswahlen in Bozen

Wahl Symbolbild

52,2% der Bozener Wahlbeteiligten gingen zur Wahl.

Mehr Infos

18. Mai 2025

Stichwahl des Bürgermeisters in Bozen

Bei der Stichwahl zwischen Juri Andriollo (PD) und Claudio Corrarati (FdI) sank die Wahlbeteiligung auf 42,8%. Mehr Infos

Bildquelle: Rai Tagesschau

18. Mai 2025

Claudio Corrarati (FdI) wird Bürgermeister

Claudio Corrarati (FdI) wird mit 707 Stimmen Vorsprung neuer Bürgermeister Bozens. Er regiert nun ein rechtes Bündnis aus Oltre-Weiter (6 Sitze), Fratelli d’Italia (7 Sitze), Lega (2 Sitze), Forza Italia (2 Sitze) mit SVP (7 Sitze). Die Opossition bilden PD (6 Sitze), Grüne (4 Sitze), Team K (3 Sitze), La Civica Gennaccaro (6 Sitze) und Liste Andriollo (2 Sitze). Mehr infos

Bildquelle: radionbc.it

29. Mai 2025

Corrarati versagt die Schirmherrschaft für den Südtirolo Pride

Südtirolo Pride in Bozen

Mit der Ablehnung der Schirmherrschaft entzieht Corrarati dem Südtirolo Pride finanzielle Vergünstigungen und verweigert die politische Rückendeckung der Stadt. Mehr Infos

05. Juni 2025

Hinsetzten. Hinlegen. Dableiben. – Pride Edition

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob

Die Studierenden der Unibz, Bozen Fiorisce und die Organisator*innen des Südtirolo Prides kooperieren für den Flashmob vor dem Rathaus. Mehr infos

19. Juni 2025

Angelo Gennaccaro (La Civica) tritt zurück

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob

Trotz seines Amtes als Landtagsvizepräsident ließ sich Angelo Gennaccaro in den Gemeinderat wählen. Eine Doppelrolle ist gesetzlich ausgeschlossen, er trat das Mandat nach seinem Wahlerfolg daher gar nicht erst an. Mehr Infos

Bildquelle: Autonome Region Trentino-Südtirol

19. Juni 2025

Anna Scarafoni (FdI) Tritt zurück

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob

Auch Anna Scarafoni sitzt bereits im Landtag und stand daher nicht für eine Position im Stadtrat zu Verfügung. Auch sie musste daher nach der Wahl das Amt direkt wieder abgeben.

Mehr Infos Bildquelle: Alexander Alber

14. Mai 2025

Hinsetzten. Hinlegen. Dableiben.

Via Dante Collective Event
Die Studierenden der Unibz veranstalten im Rahmen von Bozen Fiorisce einen zweiten Flashmob auf dem Waltherplatz. Mehr Infos

20. Juni 2025

Stadtrat Diego Salvadori (FdI) zitiert Goebbels

Joseph Goebbels, Minister für Propaganda der NSDAP, war einer der zentralen Architekten der NS-Propaganda, er schürte systematisch Hass und Akzeptanz für Gewalt und trug so direkt zur Verfolgung von Juden, Minderheiten und politischen Gegnern bei. Goebbels Worte befürworteten die Indoktrination vor der demokratische Mitbestimmung. Diego Salvadori teilte das Zitat auf Facebook um die Regenbogenfahne am NOI Techpark zu kritisieren. Auch der Account von Marco Galateo, Präsident von Fratelli d’Italia Südtirol versah den Post mit einem „Gefällt mir“. Mehr Infos Bildquelle: salto.bz

25. Juni 2025

Diegeo Salvadori tritt zurück

Erst nach der öffentlichen Empörung über den Facebook-Post reagieren Bürgermeister Corrarati und Landeshauptmann Kompatscher. Zunächst versucht Salvadori, sich aus der Affäre zu ziehen, indem er sich selbst von allen Parteiämtern der Fratelli d’Italia suspendiert. Am 23. Juni wurde er zum Gespräch mit Bürgermeister Corrarati eingeladen, woraufhin er sich einige Tage „Bedenkzeit“ nahm. Erst nach zwei weiteren Tagen öffentlichen Drucks und anhaltender Empörung tritt Salvadori schließlich zurück. Mehr Infos

Bildquelle: Rai Tagesschau

27. Juni 2025

Roberto Zanin (FdI) tritt zurück

Da Roberto Zanin beruflich in Mailand tätig ist und sein Stadtratsamt nicht vollständig ausüben kann, tritt er zurück. Mehr Infos

Bildquelle: Facebook

02. Juli 2025

Hinsetzten. Hinlegen. Dableiben. -Band Edition

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob

Die Studierenden der Unibz veranstalten im Rahmen von Bozen Fiorisce erneut einen Flashmob vor dem Rathaus, um die neu antretenden Stadträte an ihre politischen Pflichten und die Erwartungen der Bürger*innen zu erinnern. Mehr Infos

02. Juli 2025

Gemeinderat nicht beschlussfähig

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob

Für eine Stadtrats-Sitzung müssen mehr als die Hälfte der Ratsmitglieder anwesend sein, im Bozner Fall also 23. Nach den Rücktritten der letzten Wochen wurden die vakanten Positionen nicht sofort neu besetzt, zwei weitere Regierungsabgeordnete waren im Urlaub, sodass nur 19 Mitglieder anwesend waren. Die Opposition nutzte dies aus und blieb geschlossen fern, um ein politisches Zeichen zu setzen. Dadurch konnte keine Sitzung stattfinden, und der Änderungsantrag von Matthias Coogna zur Stadtpolizeiverordnung wurde nicht behandelt. Mehr Infos

04. Juli 2025

Nardo (La Civica) wechselt zu Forza Italia

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob

Nachdem Nichtantreten von Angelo Gennaccaro rückte der erste Nicht-Gewählte seiner Liste nach, Manuel Nardo. Dieser wechselt jedoch zur mehrheitsbildenden Forza Italia und verschiebt so erneut die Verhältnisse. Ein Schritt, der nicht nur Fragen nach politischer Verlässlichkeit aufwirft, sondern auch den Wähler*innenwillen auf den Kopf stellt.

Mehr Infos Bildquelle: salto.bz

15. Juli 2025

Hinsetzten. Hinlegen. Dableiben. -Sommer Edition

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob

Die Studierenden der Unibz veranstalten im Rahmen von Bozen Fiorisce erneut einen Flashmob vor dem Rathaus in Bozen. Mehr Infos

15. Juli 2025

Verordnung wird abgeändert

Abstimmungsergebnis zum Änderungsantrag Stadtpolizeiverordnung Bozen
Im März 2025 hatte Matthias Cologna vom Team K bereits einen Änderungsantrag eingebracht, der die vollständige Aufhebung der Sitz- und Liegeverbotsparagraphen in der Stadtpolizeiordnung vorsah. Kurzfristig brachte jedoch Gabriele Repetto (Civica per Bolzano – Liste Corrarati) im Rahmen einer Gemeinderatssitzung einen zusätzlichen Änderungsantrag ein, der das Verbot lediglich umformulierte. Der Gemeinderat stimmte elektronisch über den Antrag ab: Mit 40 Ja-Stimmen und einer Enthaltung wurde der Änderungsantrag von Repetto angenommen.

Mehr Infos

10. September 2025

Obdachloser Signor Carlo wird aus der Stadt verwiesen

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob
Am 10. September wurde der seit Jahren bekannte Obdachlose Carlo aus der Gasse zwischen Silbergasse/Kornplatz und Waltherplatz verwiesen. Die Stadtpolizei verhängte ein Aufenthaltsverbot gegen ihn und stellte Fahrradständer auf um ein erneutes Lagern zu verhindern.

Fotoquelle: Heiko Schoberwalter/SALTO

Unsere Aktionen im Detail

Hinsetzten. Hinlegen. Dableiben.
-Sommer edition

–15. Juli 2025–

Anlässlich der Gemeinderatssitzung, bei der der bereits mehrfach verschobene Änderungsantrag zur Stadtpolizeiordnung endlich auf der Tagesordnung stand, fand erneut ein Flashmob vor dem Rathaus statt. Die Teilnehmenden hatten passend zum Sommerwetter Strandhandtücher und Eiscreme dabei, um auf spielerische Weise auf die Bedeutung des öffentlichen Raums aufmerksam zu machen.

Bereits im März 2025 hatte Matthias Cologna (Team K) einen Änderungsantrag eingebracht, der die vollständige Aufhebung der Sitz- und Liegeverbotsparagraphen vorsah. Kurzfristig brachte Gabriele Repetto (Civica per Bolzano – Liste Corrarati) einen alternativen Antrag ein, der lediglich die Formulierung „[wenn] das gepflegte Stadtbild gestört wird“ ergänzte.

Vor der Änderung lauteten die Regelungen wie folgt:

Artikel 3, Absatz 7:
„Es ist untersagt, Sitzgelegenheiten, Parkbänke, Trinkwasserbrunnen, Spielgeräte, Abgrenzungselemente, öffentliche Beleuchtungsanlagen, Straßenschilder, Schilder mit Angaben von öffentlichem Interesse, Poller, Parkbügel und anderes Stadtmobiliar oder Gegenstände, die für öffentliche Dienste oder für die Allgemeinheit zweckbestimmt sind, zu entfernen, zu verschieben, zu beschädigen, zu beschmieren oder unsachgemäß zu verwenden. Es ist untersagt, sich auf Parkbänken oder anderem Stadtmobiliar, die für die Allgemeinheit zweckbestimmt sind, hinzulegen.“

Artikel 3, Absatz 9:
„Es ist untersagt, sich auf der Straße, auf Plätzen, Gehsteigen oder unter den Lauben auf den Boden zu setzen oder hinzulegen, denn das führt zu Behinderungen oder Störungen.“

Diese Bestimmungen galten ausnahmslos für die gesamte Stadt und für das gesamte der Allgemeinheit zugängliche Stadtmobiliar, einschließlich solcher Möbel, die auch der Freizeit oder Entspannung dienen.

Nach der Änderung lautet Artikel 3, Absatz 9 nun:
„Es ist untersagt, sich auf Parkbänken hinzulegen, wenn dadurch das gepflegte Stadtbild gestört wird. Es ist weiters untersagt, sich auf der Straße, auf Plätzen, Gehsteigen oder unter den Lauben auf den Boden zu setzen oder hinzulegen, wenn dies zu offensichtlichen Behinderungen führt oder das gepflegte Stadtbild gestört wird.“

Nach Anhörung der Berichte der Gemeinderatsmitglieder Cologna, Brancaglion und Dragogna stimmte der Gemeinderat elektronisch über den Antrag ab. Mit 40 Ja-Stimmen und einer Enthaltung wurde der Änderungsantrag von Repetto angenommen.

Diese Änderung stellt jedoch keine echte Aufhebung des Verbots dar. Stattdessen erhält der/die diensthabende Polizeibeamte/in weitreichende Ermessensspielräume, selbst zu definieren, wann das „gepflegte Stadtbild“ gestört wird. Kritisch ist, dass dies soziale Ungleichheiten verstärkt: Menschen, die ohnehin wenig Raum und Sichtbarkeit haben, sind stärker von Repression betroffen. Statt Inklusion zu fördern, verschärft die Regelung die Ausgrenzung sozial Schwacher. Unsere Forderungen sind damit noch nicht erreicht – wir werden weitermachen.

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob
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Hinsetzten. Hinlegen. Dableiben.
-Band Edition

–02. Juli 2025–

Da in der letzten Sitzung des Gemeinderats lediglich Formalia und die Vereidigung der neuen Mitglieder behandelt wurden, war der Änderungsantrag zur Stadtpolizeiordnung auf diesen Tag verschoben worden. Daher fand erneut ein Flashmob vor dem Rathaus statt. Dieses Mal begleitete eine lokale Band die Aktion musikalisch, wodurch die Atmosphäre lebendig und einladend wurde. Aufgrund des Nichterscheinens der notwendigen Mehrheit durch die Regierung kam es spontan zu einem Boykott der Sitzung durch die Oppositionsmitglieder, die sich den Demonstrierenden auf den Boden setzten und die Sitzung verweigerten, um ein deutliches Zeichen zu setzen. Dadurch konnte der Änderungsantrag erneut nicht behandelt werden.

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob
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Hinsetzten. Hinlegen. Dableiben.
– Pride Edition

–05. Juni 2025–

Kurz vor dem ersten Sitzungstag des neu gewählten Gemeinderats von Bozen versammelten sich erneut zahlreiche Menschen, diesmal direkt am Rathausplatz, zu einem Flashmob. Die Aktion wurde in Zusammenarbeit mit Südtirol Pride organisiert, um ein deutliches Zeichen für einen inklusiven und solidarischen öffentlichen Raum zu setzen und gleichzeitig auf die fehlende Schirmherrschaft aufmerksam zu machen.

Die Teilnehmerinnen forderten die neuen Gemeinde*rätinnen auf, ihre Haltung zu überdenken und sich für eine Stadt einzusetzen, die Platz für alle bietet – unabhängig von sozialer Herkunft, Status oder Identität. Die Botschaft war klar: Wer eine solidarische und lebenswerte Stadt will, muss Verantwortung übernehmen und aktiv an der Veränderung der Stadtpolizeiordnung mitwirken.

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob
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Bozen Fiorisce – Sedersi. Sdraiarsi. Rimanere.

–14. Mai 2025–

Kurz vor der Stichwahl des Bürgermeisters veranstaltete Bozen Fiorisce erneut einen Flashmob am Waltherplatz. Zahlreiche Menschen kamen zusammen, um ein klares Zeichen zu setzen: Das Thema des Verbots, sich auf Bänken niederzulegen oder auf den Boden zu setzen, ist für viele Bürger*innen nach wie vor von großer Bedeutung. Mit der Aktion wollte die Bewegung den Kandidatinnen zeigen, dass nicht nur die öffentliche Meinung beachtet werden muss, sondern dass sich auch eine breite Basis aktiv gegen diese Regelung stellt.

Bozen Fiorisce – Sedersi. Sdraiarsi. Rimanere.

Bozen Discute

–28. April 2025–

Bozen Fiorisce veranstaltete die öffentliche Diskussion „Bozen discute“ in Zusammenarbeit mit und unmittelbar nach dem Flashmob am Waltherplatz. Der Saal der Gemeinde war gut besucht. Unter der Moderation von Renate Mumelter stellten sich die Bürgermeisterkandidatinnen Simonetta Lucchi (5 Stelle), Stephan Konder (SVP), Ab Chniouli (stellvertretend für Angelo Gennaccaro – La Civica), Claudio Corrarati (Fratelli d’Italia), Matthias Cologna (Team K) und Juri Andriollo (PD) den Fragen der Bürgerinnen.

Die Kandidat*innen diskutierten über Begrünung von Plätzen, Mobilitätslösungen, kulturelle und soziale Räume sowie innovative Wohnmodelle wie Co-Housing. Erst gegen Ende wurde das Verbot des Hinlegens auf Bänken angesprochen. Juri Andriollo und Claudio Corrarati verließen den Raum, als die Frage aufkam. Ab Chniouli erklärte: „Wenn ich zurückkommen würde, würde ich mich nicht an die Gemeindeverordnung halten.“ Matthias Cologna bezeichnete die Sitzung des Gemeinderats als „beschämend“: „Als die Verordnung kam, hatten wir das Verbot sofort bemerkt. Beim Änderungsantrag, den wir eingereicht haben, um es zu ändern, hat die Mehrheit zusammen mit der Rechten abgestimmt, mit Ausnahme einiger Enthaltungen bei PD und den Grünen. Nur der Grüne Tobe Planer hat mit uns gestimmt.“ Er schloss: „Das wird eine der ersten Änderungen der Verordnung sein, wenn ich gewählt werde.“

Die Veranstaltung machte deutlich, wie stark die Bürger*innen die Gestaltung des öffentlichen Raums interessiert und wie kontrovers die Regelung des Hinlegens auf Bänken diskutiert wird.
Siehe auch: salto.bz

Bozen Discute Saalbild
Bozen Discute Podium
Bozen Discute Podium
Bozen Discute Podium
Bozen Discute Publikumsfragen
Bozen Discute Publikumsfragen
Bozen Discute Podium
Bozen Discute Luchi
Bozen Discute Podium

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben.

–28. April 2025–

Studierende der Universität Bozen organisierten am 28. April 2025 den Flashmob „Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben.“ als Reaktion auf das Verbot, sich auf den Boden zu setzen oder auf Bänken zu liegen. Auf diese Weise machten sie sichtbar, wie wichtig öffentliche Räume für Inklusivität und Zugänglichkeit sind. Rund 70 Menschen folgten der Aufforderung, setzten sich oder legten sich auf dem Waltherplatz hin und demonstrierten so, dass städtische Flächen allen Bürger*innen offenstehen sollten, unabhängig von Alter, sozialer Herkunft oder Status. Mit der Aktion wurde der öffentliche Raum nicht nur genutzt, sondern aktiv erfahrbar, als Ort der Begegnung, Solidarität und Gemeinschaft.

Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob
Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob
Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob
Hinsetzen. Hinlegen. Dableiben. Flashmob
Bozen Fiorisce – Sedersi. Sdraiarsi. Rimanere.

Via dante Collective – More than a Bench

–05. April 2025–

Das Via Dante Collective organisierte ein Happening als Reaktion auf das Verbot, sich auf den Boden zu setzen oder auf Bänken zu liegen. Auf spielerische Weise zeigte die Aktion, wie wichtig öffentlicher Raum und Stadtmobiliar für das Zusammenleben sind. Besucher*innen konnten auf Parkbänken verweilen, Kassetten auf einem Walkman hören, Bücher ausleihen oder gemeinsam an einem großen Kunstwerk mitmalen. Zusätzlich hatte das Kollektiv ein eigenes Booklet zum Thema erstellt. So wurde der öffentliche Raum nicht nur genutzt, sondern aktiv erfahrbar, als Ort für Begegnung, Kreativität und Gemeinschaft.

Via Dante Collective Event
Via Dante Collective Event
Via Dante Collective Event
Via Dante Collective Event
Via Dante Collective Event
Via Dante Collective Event

Mehr infos & Quellen

Die Stadt Bozen ist gemäß den Bestimmungen des italienischen Gesetzesdekrets Nr. 33/2013 verpflichtet, Dokumente wie Gemeinderatsprotokolle und Verordnungen öffentlich zugänglich zu machen. Hier ist der Beschluss der Sitzung vom 18.03.25, hier der Beschluss der Sitzung vom 15.07.25. Weitere Beschlüsse des Gemeinderates findest du hier im Archiv.

Die Sitzungen des Gemeinderates werden auch gestreamt, hier findet ihr:

Sitzung des Gemeinderates vom 18.03.2025

Sitzung des Gemeinderates vom 15.07.2025

Zudem kann man sich Im Ratsinformationsportal ganz allgemein über die Arbeit des Gemeinderats informieren.