Wir hören überall vom Klimawandel: in den Medien, von internationalen Organisationen und von Politiker*innen. Wir können ihn hier sogar selbst wahrnehmen: heißere Sommer, weniger Schnee im Winter. Doch die Veränderungen gehen weit über das Wetter hinaus. Der umfassendere soziale und ökologische Wandel, der notwendig ist, um eine gerechte und nachhaltige Zukunft aufzubauen, ist bereits im Gange – auch hier in Südtirol, auf viele sichtbare und weniger sichtbare Arten.

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie Apfelwiesen das Klima beeinflussen? Warum im Ultental neue Wasserkraftanlagen geplant sind? Wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Treibhausgase über Bozen messen? Oder welche langfristigen Auswirkungen der Sturm Vaia hat?

Unsere Walk&Talk-Reihe lädt euch ein, diese Fragen genau dort zu erkunden, wo sie sichtbar werden.

Begleitet uns auf einer Reihe geführter Spaziergänge, die von lokalen Expert*innen geleitet werden und ihr Wissen mit euch teilen. Gemeinsam schauen wir uns an, wie der Klimawandel – und unsere Reaktionen darauf – bereits jetzt die Landschaft, die Wirtschaft und die Gesellschaft um uns herum prägen.



Die Wanderung findet im September 2026 (Termin noch offen) im Eggental statt.
Wir weisen darauf hin, dass eine Anmeldung erforderlich ist. Detaillierte Informationen werden den angemeldeten Personen eine Woche vor der Wanderung zugesandt.

Dauer: 4 Stunden
In italienischer Sprache

Im Oktober 2018 hat das Sturmtief Vaia die Landschaften vieler Täler in Südtirol und den umliegenden Regionen dramatisch verändert. Acht Jahre später sind seine Auswirkungen noch immer spürbar. Lies mehr!

Welche Spuren hinterlässt dieses Ereignis, und wie passen sich Wälder und Wildtiere in seinem Nachgang an?
Beim diesem Walk&Talk werden wir die langfristigen ökologischen Auswirkungen und Erholungsprozesse erkunden sowie die weitreichenden, miteinander verbundenen Folgen solcher Extremereignisse. Gemeinsam werden wir untersuchen, wie ein einziger Sturm dauerhafte Veränderungen auslösen kann – weit über die direkt betroffenen Gebiete hinaus.

Wer wird uns bei der Wanderung begleiten. Finde es heraus!

Silvia Cocuccioni
Eurac Research

Sie ist Forscherin bei Eurac Research. Sie hat einen Abschluss in Umweltwissenschaften und beschäftigt sich mit Risikoanalyse und Anpassung an den Klimawandel.

Carlotta Grande
Unibz

Sie ist Umweltingenieurin, spezialisiert auf Umweltüberwachung und -diagnostik, insbesondere mit Fernerkundungstechniken.

Chiara Paniccia
Eurac Research

Sie ist Ökologin bei Eurac Research und beschäftigt sich mit der Überwachung und dem Schutz von Säugetieren, mit besonderem Augenmerk auf Fledermäuse und Kleinsäuger.

Details zur Wanderung. Lies mehr!

Treffpunkt: Detaillierte Informationen zum Treffpunkt werden den Angemeldeten eine Woche vor der Wanderung zugesandt.
Dauer: 4 Stunden
Schwierigkeit: mittelschwer
Strecke: 8 km
Höhenunterschied: 500 m
Abfahrt: 9 Uhr
Mittagessen: 13:30 Uhr
Ende: 17 Uhr




13.06.26, Ultental

Unser Walk&Talk im Ultental hat Bewohner:innen, Wissenschaftler:innen und Expert:innen zusammengebracht, um eine der komplexesten Klimafragen Südtirols zu erkunden: wie die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien beschleunigt werden kann, während gleichzeitig soziale Gerechtigkeit gewährleistet wird.

Beim Spaziergang entlang des Zoggler Stausee diskutierten die Teilnehmenden mit dem Historiker Hannes Obermair und dem Experten für erneuerbare Energien Thomas Egger über das von der Alperia vorgeschlagene Wasserkraftwerksprojekt.

Aus historischer Perspektive ist das Ultental kein Einzelfall. In ganz Italien und im gesamten Alpenraum wurden Bergtäler in der Nachkriegszeit durch große Wasserkraftprojekte verändert, während das Land nach energetischer Unabhängigkeit strebte. Für viele Einheimische bleibt der Bau von Staudämmen und Speicherbecken in den 1950er- und 1960er-Jahren jedoch ein kollektives Trauma, das die Reaktionen auf heutige neue Infrastrukturvorhaben weiterhin prägt.

Doch was denken die Talbewohner:innen wirklich über dieses neue Projekt, und welche tiefer gehenden Fragen wirft es zur Zukunft der Energiewende auf? Erfahre mehr!

Die Teilnehmenden äußerten Bedenken zum aktuellen Projekt, unter anderem zu den Auswirkungen der Bauarbeiten auf die lokale Lebensgrundlage und Lebensqualität sowie zu möglichen Folgen für die Wasserressourcen. Einige Bewohner:innen fragten sich, warum die neue Infrastruktur nicht neben den bereits bestehenden Pumpspeicherwerken gebaut werden könnte, anstatt neue Eingriffe in Wälder und alpine Ökosysteme zu erfordern. Andere waren der Ansicht, dass das Tal nach Jahrzehnten, in denen es bedeutende Energieinfrastrukturen beherbergt hat, bereits mehr als seinen gerechten Anteil zum öffentlichen Interesse beigetragen habe.

Das Gespräch beleuchtete auch die weiterreichenden Dimensionen der Klimagerechtigkeit im Zusammenhang mit dem Projekt. Erneuerbare Energiesysteme benötigen Energiespeicher und Pumpspeicherkraftwerke zählen derzeit zu den ausgereiftesten verfügbaren Technologien. Während sich einige Teilnehmende fragten, ob künftige Batterietechnologien eine solche Infrastruktur überflüssig machen könnten, argumentierte Thomas Egger, dass es angesichts der Klimakrise eine riskante Strategie wäre, sich auf Technologien zu verlassen, die möglicherweise entstehen – oder auch nicht. Denn wir müssen mit den Lösungen dekarbonisieren, von denen wir wissen, dass sie heute verfügbar sind.

Letztlich warf die Diskussion grundlegende Fragen auf, die im Kern der Energiewende stehen: Wer profitiert – finanziell und von den neuen Infrastrukturen? Wer trägt die ökologischen und sozialen Kosten? Und wie können Gemeinschaften zu echten Partnerinnen und Partnern bei der Gestaltung werden und dabei einen fairen Ausgleich für die Auswirkungen auf ihr Leben und ihre Lebensgrundlage erhalten? Anstatt sich für oder gegen ein bestimmtes Projekt zu positionieren, schuf der Walk&Talk-Spaziergang einen Raum für einen informierten Dialog zwischen Wissenschaft und lokaler Bevölkerung – im Bewusstsein, dass Klimaschutz die gelebte Erfahrung der Menschen, wissenschaftliche Erkenntnisse und soziale Gerechtigkeit miteinander in Einklang bringen muss.


27.05.26, Renon

Der Walk&Talk in den Wäldern von Oberbozen hat einen oft übersehenen Aspekt der Wälder beleuchtet: Sie speichern nicht nur Kohlenstoff, sondern setzen ihn auch frei. Gemeinsam mit Forscher:innen der Freien Universität Bozen und der Südtiroler Forstverwaltung erfuhren die Teilnehmenden, wie Wälder Kohlendioxid mit der Atmosphäre austauschen und warum die langfristige Überwachung entscheidend ist, um ihre Rolle bei der Eindämmung des Klimawandels zu verstehen.

Unter der Leitung von Professor Leonardo Montagnani, Maurizio Ventura und Alessandro Andriolo führte der Spaziergang die Teilnehmenden zu einem der am längsten bestehenden Waldmonitoring-Standorte Südtirols, wo seit über 25 Jahren kontinuierlich CO₂-Flüsse gemessen werden. Erfahre mehr!

Die Expert:innen erklärten, wie Wälder tagsüber durch Photosynthese Kohlenstoff aufnehmen und gleichzeitig – sowohl bei Tag als auch bei Nacht – durch Atmung Kohlenstoff freisetzen. Das Verständnis dieses empfindlichen Gleichgewichts ermöglicht es Wissenschaftler:innen festzustellen, ob ein Wald als Kohlenstoffsenke oder -quelle wirkt und wie sich dies im Laufe der Zeit als Reaktion auf den Klimawandel verändert.

Die Diskussion hob zudem hervor, dass Wälder weit mehr leisten als reine Kohlenstoffspeicherung. Sie regulieren die lokalen Temperaturen durch Beschattung und Evapotranspiration und tragen durch die Abgabe von Feuchtigkeit an die Atmosphäre zur Aufrechterhaltung des Wasserkreislaufs bei – ein Prozess, der mitunter als „Flüsse am Himmel“ beschrieben wird. Darüber hinaus schützen sie die Böden, fördern die Biodiversität, verbessern die Luftqualität und bieten Raum für Erholung sowie für körperliches und seelisches Wohlbefinden.

Diese lebenswichtigen Ökosystemleistungen sind jedoch zunehmend bedroht. Steigende Temperaturen, anhaltende Trockenheit und immer häufigere extreme Wetterereignisse setzen die Wälder Südtirols unter wachsenden Druck und machen sie anfälliger für Phänomene wie den Borkenkäferbefall. Die Teilnehmenden diskutierten darüber, wie der Klimawandel die Waldökosysteme verändert und warum der Erhalt gesunder und widerstandsfähiger Wälder nicht nur für die Biodiversität, sondern auch für den Klimaschutz und die Klimaanpassung von zentraler Bedeutung ist.

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25.04.2026, Klausen

Der geführte Wanderung führte die Teilnehmer:innen von Klausen nach Verdings und bot dank des Beitrags von Expert:innen aus dem Sektor Einblicke in die Rolle der Apfelanlagen im Kontext des Klimawandels. Unterwegs erkundeten sie die Vielfalt der Ökosystemleistungen, die Apfelanlagen bieten – von der landwirtschaftlichen Produktion bis hin zu ihrem kulturellen und landschaftlichen Wert.

Von Agri-Photovoltaik über Kohlenstoffbindung bis hin zum Besuch der mehrfach ausgezeichneten Apfelanlagen des Telfnerhofs: Das haben die Teilnehmenden auf ihrem Weg entdeckt. Erfahre mehr!

Pascal Vullo vom Südtiroler Bauernbund sprach über das Potenzial von Agri-Photovoltaik. Bereits eine Überdachung von rund fünf Prozent der Obstbauflächen mit Solarmodulen könnte einen wichtigen Beitrag zur regionalen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien leisten. Lizzie Foley, Doktorandin an der Freien Universität Bozen, stellte Ergebnisse ihrer Forschung zum Einfluss von Begrünungen zwischen den Baumreihen auf die Kohlenstoffspeicherung im Boden vor. Die letzte Station der Wanderung war der Telfnerhof, der 2023 zur schönsten Streuobstwiese Südtirols gekürt wurde. Luisa Menestrina von der Universität Innsbruck präsentierte Erkenntnisse aus ihrer Masterarbeit zur Wahrnehmung von Ökosystemleistungen in intensiv bewirtschafteten und traditionellen Obstgärten. Als Abschluss führte Familie Oberrauch durch ihre Streuobstwiese und verköstigte die Teilnehmer*innen mit hofeigenen Produkten.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass nachhaltig bewirtschaftete Apfelanlagen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können – etwa durch Agri-Photovoltaik, eine Verringerung des Einsatzes chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel sowie durch die Reduktion von Emissionen entlang der gesamten Produktionskette, von Maschinen über Lagerung bis zum Transport.

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Projekt in Zusammenarbeit mit:

Dachverband für Natur- und Umweltschutz in Südtirol EO Logo

Wir bedanken uns für die Unterstützung von:

Scientists For Future South Tyrol Logo