Wandern, Wandel und Wissen – mit Walk & Talk durch Streuobstwiesen und Apfelplantagen

Am Samstag, den 25. April, fand die erste Veranstaltung der Reihe „Walk &Talk“ statt. Die Wanderung führte von Klausen nach Verdings bis zum Telfnerhof und widmete sich der Frage, welche Rolle der Obstbau im Zusammenhang mit Klimawandel und nachhaltiger Landnutzung spielt. Die Initiative wird von Climate Action South Tyrol, dem Dachverband für Natur- und Umweltschutz Südtirol sowie Scientists for Future South Tyrol organisiert.

Unter den Teilnehmenden waren Landwirt*innen, Umweltinteressierte und Bürger*innen aus der Region. Entlang der Strecke diskutierten die Expert*innen die unterschiedlichen Leistungen von Apfelanlagen – etwa ihre Bedeutung für die Lebensmittelproduktion, die Kulturlandschaft und das lokale Ökosystem.

Pascal Vullo vom Südtiroler Bauernbund sprach über das Potenzial von Agri-Photovoltaik. Bereits eine Überdachung von rund fünf Prozent der Obstbauflächen mit Solarmodulen könnte einen wichtigen Beitrag zur regionalen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien leisten. Studien aus Südtirol zeigen zudem, dass mögliche geringere Apfelerträge durch zusätzliche Einnahmen aus der kombinierten Nutzung von Landwirtschaft und Photovoltaik ausgeglichen werden könnten.

Lizzie Foley, Doktorandin an der Freien Universität Bozen, stellte Ergebnisse ihrer Forschung zum Einfluss von Begrünungen zwischen den Baumreihen auf die Kohlenstoffspeicherung im Boden vor. Sie erklärte, dass Böden Kohlenstoff sowohl kurzfristig als auch langfristig speichern können. Viele Untersuchungen unterscheiden jedoch nicht ausreichend zwischen diesen Speicherformen, obwohl Kohlenstoff in oberflächennahen Bodenschichten rasch wieder freigesetzt werden kann. Mehrjährige Kulturen wie Apfelbäume tragen dagegen dazu bei, Kohlenstoff in tiefere Bodenschichten zu verlagern, wo er länger gebunden bleibt. Gesunde Böden zählen damit zu den wichtigsten natürlichen Kohlenstoffspeichern.

Die letzte Station der Wanderung war der Telfnerhof, der 2023 zur schönsten Streuobstwiese Südtirols gekürt wurde. Luisa Menestrina von der Universität Innsbruck präsentierte Erkenntnisse aus ihrer Masterarbeit zur Wahrnehmung von Ökosystemleistungen in intensiv bewirtschafteten und traditionellen Obstgärten. Als Abschluss führte Familie Oberrauch durch ihre Streuobstwiese und verköstigte die Teilnehmer*innen mit hofeigenen Produkten.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass nachhaltig bewirtschaftete Apfelanlagen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können – etwa durch Agri-Photovoltaik, eine Verringerung des Einsatzes chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel sowie durch die Reduktion von Emissionen entlang der gesamten Produktionskette, von Maschinen über Lagerung bis zum Transport.

Die „Walk&Talk“-Reihe wird in den kommenden Monaten fortgesetzt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich.

Kommende Termine:

  • 27. Mai – CO₂-Monitoring in den Wäldern
  • 13. Juni – Wasserkraft im Ultental: Vergangenheit und Gegenwart
  • 11. Juli – Sturm Vaia und seine langfristigen Auswirkungen

Jede Wanderung wird von lokalen Fachleuten begleitet und soll ein besseres Verständnis dafür vermitteln, wie sich der Klimawandel konkret in Südtirol auswirkt – und wie ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander zusammenhängen.

Weitere Informationen und Anmeldung hier.

Auf dem Weg nach Verdings, ©Climate Action South Tyrol
Zu Gast beim Telfnerhof, ©Climate Action South Tyrol