Die aktuellen Maßnahmen des Landes zur Bewältigung der Wasserknappheit machen deutlich: Wasser wird zunehmend zu einer knappen Ressource. Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse zu.
Bewässerungsverbote und Sparmaßnahmen sind notwendig, um die Trinkwasserversorgung auch in den kommenden Wochen sicherzustellen. Die lange Trockenperiode und die hohen Temperaturen zeigen, wie stark der Klimawandel bereits heute unseren Alltag beeinflusst. Doch Wasserknappheit ist nur eine Seite der Medaille. Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse zu. Mal fehlt das Wasser über Wochen, dann fällt innerhalb weniger Stunden so viel Regen, dass Straßen überflutet, Hänge instabil und Siedlungen gefährdet werden. Diese Gegensätze werden mit dem Klimawandel häufiger – und verlangen nach neuen Lösungen.
Eine davon ist das Schwammstadt-Prinzip. Anstatt Regenwasser möglichst schnell abzuleiten, wird es dort gespeichert, wo es fällt. Entsiegelte Flächen, begrünte Straßenräume und klimaangepasste Baumstandorte nehmen Wasser auf, speichern es und geben es langsam wieder an die Umgebung ab. Das entlastet die Kanalisation, schützt vor Überflutungen und sorgt dafür, dass Wasser in Trockenzeiten länger verfügbar bleibt.
KURZ & KNAPP: Eine Schwammstadt ist eine Stadt oder Gemeinde, die Regenwasser wie ein Schwamm aufnimmt, speichert und langsam wieder abgibt, anstatt es sofort in die Kanalisation abzuleiten.
Das funktioniert zum Beispiel durch:
- begrünte Dächer und Fassaden,
- Bäume und Grünflächen,
- versickerungsfähige Böden und Plätze,
- Teiche oder Regenwasserspeicher.
Die Idee endet jedoch nicht an der Stadtgrenze. Auch im ländlichen Raum können Böden, Wiesen, Wälder, Feuchtgebiete und Gewässer so gestaltet und bewirtschaftet werden, dass sie mehr Wasser aufnehmen und zurückhalten. Naturnahe Flüsse, gesunde Böden, Hecken und Auen wirken wie natürliche Schwämme. Sie helfen dabei, Hochwasserspitzen abzufangen und gleichzeitig Wasser für trockene Zeiten zu speichern.

Wie viel Potenzial in diesem Ansatz steckt, zeigt der preisgekrönte Dokumentarfilm „Die Stadt vor Fluten schützen“ vom Südtiroler Regisseur Gustav Hofer. Der mit dem Constructive World Award ausgezeichnete Beitrag begleitet den Landschaftsarchitekten Kongjian Yu, den Begründer des Schwammstadt-Konzepts, und zeigt, wie Städte und Regionen weltweit lernen, mit Wasser zu leben, statt es möglichst schnell abzuleiten. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich die Grundidee auch auf ländliche Regionen übertragen lässt.
Auch in Südtirol gibt es bereits konkrete Schritte in diese Richtung. Die Stadt Bruneck beteiligt sich gemeinsam mit Lienz und Pieve di Cadore am Interreg-Projekt „Schwammstädte“, um Regenwasser besser zu speichern und öffentliche Räume klimaresilient zu gestalten. Gleichzeitig braucht es Maßnahmen weit über den Siedlungsraum hinaus: Nur wenn Städte, Dörfer und Landschaft gemeinsam Wasser zurückhalten, können wir den Herausforderungen von Dürre und Starkregen wirksam begegnen.

Die aktuelle Wasserknappheit zeigt: Kurzfristige Sparmaßnahmen sind notwendig. Langfristig müssen wir unsere Siedlungen und Landschaften so gestalten, dass Wasser nicht verloren geht, sondern als wertvolle Ressource erhalten bleibt. Denn eine klimaresiliente Zukunft beginnt dort, wo Regen wieder versickern darf.
Quellen:
https://news.provinz.bz.it/de/news/wasserknappheit-land-legt-massnahmenpaket-fest
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