Verbauung des Virgl

Im Folgenden ein offener Brief von Stadtlabor lab:bz der eine breite Unterstützung durch Umweltschutzgruppen und individuellen Bürgerinnen und Bürger fand:

Den Virgl und Bozens wertvollste Kulturgüter einem Privatunternehmen zu überlassen um dann über Jahrzehnte Steuergelder für deren Nutzung ausgeben zu müssen, ist wohl der falsche Weg! Der Vorschlag der Signa verwirkt die Möglichkeit, den Virgl zu einem naturnahen Ort der Erholung für alle Bozner zu machen. Deshalb appellieren Bürger:innen, Vereine und Gruppen an die Landesregierung und die Dienststellenkonferenz den Vorschlag „VivaVirgolo“ von Signa nicht als Projekt des öffentlichen Interesses zu deklarieren.

Quelle: Wikimedia

Der Virgl den Boznerinnen und nicht einem Privatunternehmen.

Bei den Überlegungen zur Gestaltung des Virgls, zur Erneuerung des Archäologiemuseums, des Naturmuseums, des Auditoriums und anderen Einrichtungen sollten in erster Linie die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bozen und nicht die Forderungen eines Privatunternehmens berücksichtigt werden. Nachhaltiger Tourismus wird nicht mit hit-and-run-Angeboten erreicht. Kulturelle Einrichtungen sollten strategisch günstig gelegen und für alle Bürgerinnen, auch Schüler und Studentinnen, leicht zugänglich sein. Sie sollten Besucher dazu einladen, weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt entlang der Fußgänger- und Fahrradwege zu entdecken, die vom Zentrum zu den Kulturstätten und auch in die weiteren Stadtviertel führen. Aus diesen Gründen sollte auch der Standort des neuen Archäologiemuseums auf der Kultur- und Grünachse Bozens bleiben.

Auch Investoren müssen sich an die städtebaulichen Bestimmungen halten.

Der Vorschlag „VivaVirgolo“ sieht den Bau von 180 000 Kubikmetern vor, das ist 20-mal mehr als im Bauleitplan vorgesehen. Der Landschaftsplan sieht für den Virgl vor, dass „das Gebiet durch eine sanfte Nutzung erhalten bleibt und das Landschaftsbild nicht wesentlich verändert wird“. Nicht nur diesem, auch dem Ensembleschutzplan steht das Projekt der Signa-Holding diametral entgegen. Zudem sprachen sich beim partizipativen Prozess zur Ausarbeitung des neuen Bozner Grünplans Bürger und Bürgerinnen für die Schaffung eines Naturerholungsgebiets auf dem Virgl für alle Boznerinnen aus, mit sanft erschlossenen Freizeiteinrichtungen (z.B. Naturschwimmbad, Wege, Einkehrmöglichkeiten etc.).

Es würde wohl teuer für den Steuerzahler.

Für die Verlegung des Archäologischen und Naturwissenschaftlichen Museums und des Auditoriums auf den Virgl verlangt Signa von der Provinz Bozen, d.h. von uns Bürgerinnen, 50 Jahre lang Miete. Erst danach würden die – inzwischen restaurierungsbedürftigen Gebäude – in den Besitz der Allgemeinheit übergehen. Seilbahn und Restaurant sollten dagegen im Besitz von Signa bleiben. Zusätzlich verlangt die Signa das Gebäude des Auditoriums in der Dantestraße und die Umwidmung in Bauland von zwei derzeit nicht bebaubaren Grünflächen: einem alten Weinberg in der Guntschastraße und ein Grundstück hinter der Reschenstrasse. Es ist auch noch nicht klar, wer die neue, kostspielige Zufahrtsstrasse bezahlen müsste.

Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Entsprechend den 17 Nachhaltigkeitszielen, die von der Landesregierung im Rahmen der Strategie everyday-for-future vorgestellt wurden, sollte die bestehende Landschaft auf dem Virgl erhalten und geschützt werden. Der Flächenverbrauch und die Bebauung eines landschaftlich und naturwissenschaftlich wertvollen Gebiets stünde in völligem Widerspruch zu den Zielen des Nachhaltigkeitsplans. Noch dazu handelt es sich um ein Gebiet, das Teil einer Stadt ist, in der die von den Bewohnern nutzbaren Grünflächen begrenzt sind und unter den Landesstandards liegen.

Und wie steht es um die Sicherheit?

Ein Bau von öffentlichen Einrichtungen und Gebäuden, die Tausende von Besuchern anziehen, erfordert eine strikte Anwendung der geltenden Sicherheitsvorschriften, was angesichts des geplanten Standorts an einem geologisch instabilen Hang nicht gegeben ist.

Der Virgl, ein grüner Bergsporn, bekannt für seine außergewöhnliche Artenvielfalt, eine Kultstätte der Antike und der Ruhe, verdient ein schonendes, umsichtiges und nachhaltiges Projekt für eine lebenswerte Stadt, die den Bedürfnissen ihrer Bürgerinnen und Bürger gerecht wird. Um dieses Ziel zu erreichen, appellieren wir an die Dienststellenkonferenz und an die Landesregierung, das „VivaVirgolo“ von Signa nicht zum Projekt im öffentlichen Interesse zu erklären.